Stiftung Solidarität
Aus dem Familienchat ausgeschlossen sein. Am Telefon in Warteschleifen festhängen, statt online einen Termin beim Arzt oder der Bürgerberatung zu vereinbaren. Den nächsten Bus verpassen, weil es keine gedruckten Fahrpläne mehr gibt. „In letzter Zeit habe ich immer wieder Situationen erlebt, in denen ich das Gefühl hatte, dass Seniorinnen ohne Handy abgehängt werden“, unterstreicht Verena Langer.

Aus dem Familienchat ausgeschlossen sein. Am Telefon in Warteschleifen festhängen, statt online einen Termin beim Arzt oder der Bürgerberatung zu vereinbaren. Den nächsten Bus verpassen, weil es keine gedruckten Fahrpläne mehr gibt. „In letzter Zeit habe ich immer wieder Situationen erlebt, in denen ich das Gefühl hatte, dass Seniorinnen ohne Handy abgehängt werden“, unterstreicht Verena Langer.
Für die Wahl-Bielefelderin war das der Auslöser, gemeinsam mit der Stiftung Solidarität bei Arbeitslosigkeit und Armut ein neues Projekt anzustoßen. Als Ehrenamtliche leitet sie den Computerkurs „Seniorinnen-online.jetzt“, der Ende Februar im Gemeindehaus der Altstädter Nicolaikirche gestartet ist. „Er richtet sich gezielt an Bielefelder Seniorinnen mit geringem Einkommen – unkompliziert nachweisbar mit dem BielefeldPass oder über einen Leistungsbescheid“, so Petra Scholz, zuständig für Presse-, Öffentlichkeits- und Projektarbeit bei der Stiftung Solidarität.
Der fortlaufend konzipierte kostenlose Handy- und Tablet-Einführungskurs soll einen alltagsnahen Einblick in die Welt des Internets geben. Falls die Teilnehmerinnen kein eigenes Handy mitbringen, sind Tablets und Rechner vor Ort vorhanden. Wichtig ist den beiden Bielefelderinnen, das Angebot so niedrigschwellig wie möglich zu halten, Hürden abzubauen und Angst vor der Technik zu nehmen. „Wir gehen das spielerisch, mit Geduld und Humor an“, lacht Verena Langer. „Wir wollen einfach zeigen, was man mit dem Handy, außer zu telefonieren, noch alles machen kann.“ Dabei werden die Themen der zweiwöchentlich stattfindenden Treffen nach Interesse und Kenntnisstand der Teilnehmerinnen ausgerichtet. „Es gibt keinen starren Fahrplan“, bestätigt die Kursleiterin. „Wir gucken, was die Bedürfnisse der Teilnehmerinnen sind.“ Vielleicht möchten sie online Termine buchen, Lieferdienste in Anspruch nehmen, Rezepte austauschen oder Lieblingshits hören. Neben Serviceangeboten, die den Alltag erleichtern, könnte es auch darum gehen, mit Kindern und Enkeln Fotos auszutauschen. „Der Familienchat ist ein gutes Beispiel für digitale Teilhabe. Man bekommt mit, was in der Familie läuft, und fühlt sich zugehörig“, so Petra Scholz. Aber auch der Kurs selbst ist eine Kontaktbörse, über die sich die Teilnehmerinnen austauschen können. „Im Idealfall vernetzen sich die Damen so gut, dass wir überflüssig werden, weil sie eigene Erfahrungen austauschen“, so Verena Langer. Ihre Kollegin resümiert: „Der persönliche Kontakt, aber auch digitales Wissen, hilft gegen Einsamkeit und bietet zusätzlich viele tolle Informationen und Möglichkeiten.“ Neben dem kostenlosen Kurs ist auch eine Mitfinanzierung (bis 150 €) für ein neues Handy oder Tablet möglich. „Das hat sich durch die Edith Schwichtenberg-Stiftung ergeben, die die Stiftung Solidarität verwaltet und deren Vermächtnis wir umsetzen“, erklärt Petra Scholz. Herzenswunsch von Edith Schwichtenberg (1921-2021) war es, dass ihr lang angespartes Vermögen einmal alleinlebenden älteren Bielefelderinnen mit geringem Einkommen oder geringer Rente eine Freude bereiten sollte. Digitale Teilhabe fällt sicherlich in diese Kategorie.
www.stiftung-solidaritaet-bielefeld.de, Tel. 2997 840
Anmeldungen und weitere Infos zum Computerkurs: www.solidaritaeterinnen.de