Schöner Lesen
Ob Buchmesse oder Buchhandlung: Wo sich die „New Adult”-Abteilung befindet, ist nicht zu übersehen. Hier stapeln sich die besonders aufwändig gestalteten Exemplare mit Extras wie Goldprägung, Farbschnitt oder Lettering. „Für mich sind diese Bücher auch Deko. Ich lese sie sehr vorsichtig, weil sie so schön sind”, verrät Joëlle Friehe.

Die 24-Jährige, die bei Thalia eine Ausbildung zur Buchhändlerin macht, fällt genau in die Zielgruppe des Genres. „New Adult”-Romane schließen die Lücke zwischen Jugendbuch und Erwachsenenliteratur. Dass ausgerechnet die digital-affine Generation der 18- bis 29-Jährigen die haptische und optische Qualität gedruckter Bücher für sich entdeckt hat, liegt an einem anderen Trend: BookTok. Unter diesem Hashtag stellen BookTokerInnen auf TikTok ihre Lieblingsbücher vor und tauschen sich aus. Online, aber auch direkt vor Ort, etwa bei den Blogger Nights bei Thalia, trifft sich eine Community, die quasi das Pendant zum Lesekreis von früher ist.
„Es gibt auch viele Apps, wo man seinen Lesefortschritt speichern oder Bücher bewerten und Sternchen vergeben kann”, so die Auszubildende. „Bücher für junge Erwachsene hat es natürlich schon immer gegeben. Aber durch BookTok ist der Trend durch die Decke gegangen und die Auswahl hat sich vergrößert”, weiß die Bielefelderin. „Inhaltlich kreisen die meisten ‘New Adult’-Romane um die Liebe. Sehr beliebt sind aktuell Sport-Romanzen.” Ein Großteil der Geschichten ist von Autorinnen aus weiblicher Perspektive geschrieben und richtet sich vor allem an Leserinnen. Außerdem typisch: Meistens handelt es sich mindestens um eine Trilogie. „Noch krasser ist es bei ‘Dark Romance’ da haben manche Reihen zehn Bände.” Das Sub-Genre, in dem es oft um Machtgefälle und dunkle Leidenschaften geht, sieht Joëlle Friehe kritisch. „Diese Romane könnten ein falsches Bild von Beziehungen vermitteln und sollten nicht zu jung gelesen werden. Oft haben sie auch eine Altersempfehlung und Trigger-Warnung.”
Sie selbst liest lieber Fantasy. Aber auch Krimis und Klassiker stehen bei ihr zuhause im mit etwa 500 Büchern gut gefüllten Regal. Gelesen hat die Bielefelderin schon immer gerne; kein Wunder, bei ihrer Berufswahl. Im Bereich „New Adult” schätzt sie besonders die Autorinnen Ali Hazelwood und Elle Kennedy, deren Off-Campus-Reihe gerade als Serie verfilmt wird. Übrigens auch ein unübersehbarer Trend. „Von der Serie ‘Maxton Hall’, die auf ‘Save Me’ von Mona Kasten beruht, kommt demnächst die zweite Staffel, das finde ich toll.”

Besonders gut gefällt Joëlle Friehe der britische Mystery Thriller „A Good Girl’s Guide to Murder“. „Die Bücher habe ich verschlungen, sie sind noch spannender als die Serie, obwohl die auch sehr gut gemacht ist.” Ob angeregt durch BookTok oder Serien: So oder so freut sich die angehende Buchhändlerin über die neue Leselust der TikTok-Generation.